Two Works in Progress Der Künstler Christo besucht Brühl
16.6.2010 - Der Künstler Christo besuchte am 15. Juni 2010 das Brühler Max Ernst Museum. Er stellte in einem Diavortrag zwei sich in der Planung befindende Projekte vor: "Over the River", bei dem der Fluss Arkansas in Colorado (USA) mit Stoffbahnen überspannt werden soll, sowie "Mastaba" - 400.000 Ölfässer trapezförmig gestapelt in Abu Dhabi.
Unter dem Titel "Wrapped! Die Kunst von Christo und Jeanne-Claude aus der
Sammlung Würth" zeigt das Brühler Museum zurzeit 70 Kunstwerke von Christo und
Jeanne-Claude. Die Ausstellung, die noch bis 26. September 2010 zu sehen ist, zeigt Collagen, Zeichnungen, Skizzen, Objekte und
Modelle des Künstlerpaares. Thematisiert wird u.a. das Verhüllungsprojekt des Berliner Reichstags, dessen Realisierung 1995 die Künstler bundesweit populär machte.
Außerdem werden vorbereitende Arbeiten zu allen realisierten Projekten seit 1968 wie z. B. „Surrounded Islands“
in der Biscayne Bay bei Miami 1983, die kontinentübergreifende Aktion „The Umbrellas“ in den
USA und in Japan 1991 oder „The Gates“ im New Yorker Central Park 2005 präsentiert.
Erstmals wieder in der Öffentlichkeit Nach dem plötzlichen Tod von Jeanne-Claude im November vergangenen Jahres ist der Vortrag im Max Ernst Museum der erste öffentliche Auftritt von Christo gewesen. Das Paar
hatte sich bereits vor einigen Jahren das Versprechen gegeben, die Projekte nach dem Tod
eines Partners weiterzuführen. Deshalb waren die beiden noch zu realisierenden Projekte "The Mastaba" und "Over the River" das zentrale Thema seines Vortrags. Das erste ist eine
Installation für die Arabischen Emirate, ein riesiges Bauwerk aus Ölfässern, welches in seinen
Dimensionen die Ausmaße der Pyramide von Gizeh übersteigen wird.
Die Planungen zu dem Projekt „Over The River“ sind bereits weit voran geschritten. Besucher der aktuellen Ausstellung können sich durch Collagen ein anschauliches Bild davon machen. Stoffbahnen sollen den Flusslauf des Arkansas River in Colorado für zwei Wochen kilometerweit überspannen. Christo, der in diesem Monat 75 Jahre wurde, erzählte eindrucksvoll und mit Leidenschaft von den Vorbereitungen, besonders von den bürokratischen Hürden, die bei einem solchen Kunstereignis zu überwinden sind.
Auch bei der anschließenden Fragerunde mit dem Publikum war der Künstler engagiert bei der Sache. Ob er sich wieder ein größeres Projekt in Deutschland vorstellen könne, beantwortete er mit "everything is possible". Nach seinem Lieblingsprojekt gefragt, stellte Christo dem Fragesteller die Gegenfrage: "Do you have children?"
Die rund 600 Besucher fanden nur teilweise Platz im Dorothea-Tanning-Saal. Die anderen konnten jedoch über Leinwände im Foyer des Museums das Geschehen verfolgen. Und viele der Christo-Fans standen dann noch Schlange, um sich Bücher, Poster oder Grafiken vom Künstler signieren zu lassen.
Buchtipp:
- Werner Spies
Christo und Jeanne-Claude - Grenzverlegung der Utopie Berlin University Press, 2010
197 Seiten, ca. 40 Abbildungen ISBN 978-3940432940
Preis: 24,90 Euro
Dieses Buch präsentiert einige der monumentalen Projekte,
die das Künstlerpaar im Laufe der letzten vier Jahrzehnte - oft gegen den Rest der Welt - in Angriff
genommen hat. Gäbe es nicht die Augenzeugen, die Fotografien von Wolfgang Volz und die
Filmaufzeichnungen, könnte man an der Realität dieser Taten zweifeln. Von einer Art Spiel mit dem
Topos des Weltwunders, von visuellen Superlativen wollte man reden. Seherlebnisse, Verfremdungen,
Spaß, disproportionierter Aufwand für ein Divertissement - all dies lässt sich auf den ersten Blick erleben
und braucht keine Interpretation.
Werner Spies hat das Werk von Christo und Jeanne-Claude seit ihrem Auftritt auf der Documenta 1968
verfolgt. Das Buch führt uns von den Pariser Anfängen in der Rue Visconti bis zu den Arbeiten der
vergangenen Jahre. Es ist ein Lesebuch, das dem Leser nicht nur das verstörend heilsame,
grenzverschiebende Potential der von der Realität eingeholten Utopien nahebringt. Immer geht es auch
um die politisch gesellschaftlichen Komplikationen des Unternehmens. Akzeptanz und Widerspruch
gehören beide untrennbar zum Werk.
Links:
Text: G.Wagner/Max Ernst Museum; Bilder: G.Wagner
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Christo beantwortet Fragen des Publikums
Der Fotograf Wolfgang Volz (rechts) war ebnfalls zu Gast. Er dokumentiert seit Jahren die Werke des Künstlerpaares Christo/Jeanne-Claude
Bei der anschließenden Signierstunde standen Hunderte Besucher Schlange
Professor Werner Spies (links) schrieb ein Buch zur Erinnerung an Jeanne-Claude
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