einfachBLAU Kleine Kunstgeschichte
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Highcycling aus Sperrmüll
Gut dass es in Brühl und in anderen Orten der Region noch eine mehr oder weniger regelmäßige Sperrmüllabfuhr gibt.
Denn so mancher Zeitgenosse findet dort noch brauchbare Gegenstände. Der Künstler Achim Callies hat aus der Verwertung von Weggeworfenem eine Lebensphilosophie gemacht.
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Highcycling nennt er den Prozess, durch den er Dinge, die andere Menschen fortwerfen, wieder den Gebrauchsgütern zuführt, indem er sie auf Flohmärkten anbietet. Der Erlös trägt nicht unerheblich zu seinem Lebensunterhalt bei. Und noch mehr als das: Auch seine Kunst - Bilder und Skulpturen - bestehen ausschließlich aus gefundenen Materialien. Farben, Leinwände oder Papier, Rahmen, Pinsel und Stifte - all diese Dinge findet er, oder sie werden ihm auch oft geschenkt - und daraus macht er seine farbenfrohe, manchmal auch naiv anmutende Kunst.
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Achim Callies auf einem Trödelmarkt |
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Mit diesem Prinzip steht Callies kunsthistorisch in einer langen Tradition. Kunst aus Abfall war für viele Künstler des 20. Jahrhunderts eine Manie. Man denke nur an die Dadaisten und Surrealisten, die in ihren Assemblagen viele gefundene Dinge verarbeiteten. Auch Picasso trieb sich gerne auf Schutthalden und Schrottplätzen herum, immer auf der Suche nach Dingen, denen er in seinen Werken eine neue Bedeutung geben konnte.
Stadtpläne und Zauberwelten
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Callies erschafft aus dem teilweise minderwertigen Material etwas Neues, Höherwertiges. Seine Bildern lassen Traumwelten entstehen. Phantastische farbenfrohe Städte mit Kuppeln und Palmen entsprechen seiner Vorstellung vom Wohnen, wenn er als Hausbauer seiner Phantasie freien Lauf lassen könnte. Nebenstehende Collage, die aus zwei übereinandergelegten Bildern besteht - das obere ist in Streifen geschnitten - lockt den Betrachter in einen Zauberwald.
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Eine Zauberwelt, die zum Träumen einlädt, 1992, Privatbesitz |
Ganz anders sind die Stadtpläne, die in wochenlanger Fleißarbeit entstehen. Meist mit Bleistift oder Tusche, ganz selten werden hierbei Farben eingesetzt, entwirft der Künstler Karten und Pläne von Orten. Zunächst werden Straßenzüge angelegt, Flüsse und Eisenbahnlinien durchkreuzen den Bildgrund. Gebäude - Fabriken, Häuser, Schulen - werden nach und nach hinzugefügt. So entstehen fiktive Städte, in denen Callies nach eigener Aussage nicht leben möchte. Aber der Betrachter kann sich sehr wohl vorstellen, dass dort Menschen existieren, Fahrzeuge über die Straßen fahren, Leben stattfindet. Bei mir erwecken sie Vorstellungen von Alfred Kubins Traumstadt aus seinem Roman "Die andere Seite" oder erinnern mich an solch phantastische Städte wie das geheimnisumwobene Providence aus den Geschichten H.P.Lovecrafts.
Achim Callies lebt übrigens in einem kleinen Ort im Vorgebirge und ist meistens auf den Trödelmärkten zwischen Brühl und Bonn anzutreffen.
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Stadtplan, 1992, Privatbesitz |
Text und Bilder: © G.Wagner, Januar 2003
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Weitere kleine Kunstgeschichten
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